Pflege braucht es bis zuletzt

Auch wenn findige Redner Zahlen gerne an den Anfang ihrer Reden stellen, um die Menschen für ihre Sache zu begeistern, dienen Zahlen doch eigentlich nur zu einem: dazu Menschen zu verschrecken. Das war im Matheunterricht schon so und ist bei der Steuererklärung nicht anders. Und doch gibt es eine Zahl, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht und die ich mit euch teilen muss: 80 Prozent. 80 Prozent aller Deutschen sterben in Einrichtungen wie dem Altenheim oder Krankenhaus. Die Vorstellung vom Tod zu Hause im Kreis der Familie ist eine romantische Seltenheit. Und dennoch wünschen wir uns, in einem entspannten und freundlichem Umfeld die letzte Reise anzutreten.

Was auch bedeutet, dass wir alle ein Interesse daran haben, dass Krankenhäuser und Altenheime eben zu solchen entspannten und freundlichen Orten werden, wie wir sie für uns selbst wünschen.

Und woran müssen wir da denken? An weiche Kopfkissen und frisches Blumenwasser. An sanfte, saubere Bettwäsche und einen Platz am Fenster. An helfende Hände, die uns in den letzten Tagen begleiten. An Blicke die uns Aufmerksamkeit und Ruhe schenken.

Titel: Ohne Moos nix los

Titel: Ohne Moos nix los

Wir denken dabei an Pflegerinnen und Pfleger, die all das leisten und uns die angenehmen letzten Augenblicke überhaupt erst möglich machen. Denn den Tod hält kein Arzt auf. Und es wird wohl selten allein der Mediziner sein, der uns das Essen ans Bett bringt und uns die Ruhe und Liebe schenkt, die wir uns in diesen intimen Momenten wünschen.

Doch Pflegerinnen und Pfleger können all das nur leisten, wenn die Gesellschaft ihnen den Rücken freihält. Wenn wir sicherstellen, dass sie angemessen bezahlt werden, sicherstellen, dass sich der politische Betrieb eine gut organisierte Pflege auf die Fahnen schreibt. Wenn wir nicht hinnehmen, dass Kliniken und Pflegebetriebe wahllos Stellen kürzen oder kürzen müssen, bis ein Pfleger für hundert Menschen sorgt.

Nur wenn wir uns mit Pflegerinnen und Pflegern solidarisieren, ihnen zuhören und uns für sie einsetzen, können wir vermeiden, dass unser letzter Satz lauten muss:

„Ach, wieso kümmert sich denn keiner?“

 

Bildquelle: © Florian Kiel

Parteiprogramme zur Pflege in Kurzform

Seit 1991: Mehr als doppelt so viele Fälle pro Pflegekraft in Sachsen